komische Menschen!

Es gibt Tage, die sind denkwürdig. Wenn Du Dir einmal die Mühe machst, mit offenen Augen durch die Strassen zu laufen kannst du lauter kleine Sequenzen aus dem Leben anderer Menschen mitnehmen.So ein wenig wie im Film. Und diese Momente sind manche Mal gar sehr skurril. Und das ist „mein kleiner Film“.

Dieser eine Tag, an dem ich einfach nur von zu Hause einen kleinen Spaziergang zur Bank machen wollte,  war eigenartig. Ich erlebte gleich drei verschiedene Momente, die mich nachdenklich machten und ich fragte mich: Was ist denn nur mit den Menschen passiert?

Ich lebe in einer recht kleinen Straße, es dauert nicht lange, bis ich die Hauptstrasse erreiche. Mein Ziel ist der Geldautomat am Ende der Hauptstrasse. Ich benötige ungefähr 20 Minuten zu Fuß um mein Ziel zu erreichen. Und ich laufe sehr langsam 🙂

Bevor ich in die Hauptstrasse einbiege sehe ich 4 Jugendliche an einem Zaun stehen. Zwei Mädchen, zwei Jungs, vielleicht 14, 15 Jahre alt. Sie stehen sich gegenüber und scheinen sich zu unterhalten. Doch dann passiert etwas für mich völlig Unerwartetes, in dem Moment als ich mit den Jugendlichen auf einer Höhe befand. Eines der Mädchen, ihr Hobby ist wohl Kickboxen, schnellt ihr Bein so hoch, dass es fast das Gesicht des gegenüberstehenden Jungen berührte.

„Ich mach dich fertisch, Spacko“, sagte sie fast zeitgleich. Es klang nicht wie ein Spaß.  Er reagierte gar nicht. War wie versteinert und wirkte fast hilflos. Nein, das war gerade kein Spaß. Irgendetwas liegt in der Luft. Doch keiner spricht mehr.

Ich laufe weiter und denke „komisches Miteinander“. Ich kann mich nicht erinnern jemals meinen Fuß zum Treten eines Menschen angehoben zu haben. Sie zielte genau auf sein Gesicht und nahm in Kauf, dass sie ihn hätte treffen können.

Nachdenklich und entsetzt setze ich meinen Weg fort. Hätte sie ihn getroffen, schwöre ich, wäre ich eingeschritten. Aber der junge Mann scheint das zu kennen und sah aus, als hätte er längst kapituliert.

Mein Weg führt mich weiter an einer alten Dame vorbei. Ich sehe sie oft mit ihrem Rollator die Straße entlang gehen.  Sie ist schon von weitem schnell zu erkennen, weil sie etwas längeres, schlohweisses Haar hat. Oft sitzt sie zusammen mit einer ganzen Truppe,  wahrscheinlich Obdachloser.  Na gut,  das weiß ich natürlich nicht wirklich. Die Herren trinken einfach sehr gerne und sehen etwas verwahrlost aus.

Die alte Dame läuft immer sehr behebig.  Naja, sie geht sehr, sehr langsam. Manchmal sieht es gar  aus wie in Zeitlupe. Sie ist halt sehr alt, vermute ich.

Aber wie war das nochmal: Wer langsamer geht, sieht mehr  🙂

Eine Familie, Vater, Mutter und drei Kinder laufen – wollen… vorbeilaufen. Der Vater, offensichtlich das Familienoberhaupt wirkt unentspannt und hektisch.  „Geht’s auch ein wenig schneller“ dröhnt er von hinten an die alte Dame heran.  Ich kann es kaum Glauben, dass er in Gegenwart seiner Kinder so unhöflich mit einer alten Dame spricht. Und…überhaupt….! Ihr wisst schon, was ich meine.

Mein Entsetzen kann ich nicht verbergen und poltere spontan heraus: „Geht’s noch? Lauf doch einfach an der Seite vorbei.“ Eigentlich wollte ich noch „Vollidiot“ oder „Vollpfosten“  hinterher schieben. Aber die Kinder waren dabei. Ich bin einfach zu anständig und denke mir diesen Teil…..denn jedes weitere Wort wäre zu schade gewesen.

Und wenn ihr denkt, das war alles – so kommt noch ein kleines Filmchen obendrauf. 

Endlich erreiche ich mein Ziel, hole mir mein Geld und schlendere noch in diesen 1-Euro-Laden hinein. Irgendetwas braucht man ja immer.

Kaum den Laden betreten, sehe ich wie ein Vater an seiner Tochter zieht. Er will den Laden verlassen. Ich schätze, sie war gerade einmal 5 oder 6 Jahre alt. „Komm jetzt“, sagt er forsch und rüttelt ihr ständig am Arm. Sie ziert sich und windet sich erfolgreich aus seiner Hand.

Er lief raus, die Kleine rief hinterher ….“aber Papa, ich muss doch noch den Ball…..“ weiter kam sie nicht, denn ihr Vater kehrte zurück und zerrte wiederholt an ihr. Dieses Mal mit Erfolg. Er zog sie grob aus den Laden und poltere mit einer lauten und durchdringenden Stimme: „Nerv mich nicht und komm jetzt endlich.“

Sie hielt einen bunten Ball in der Hand und zeigte ihn ihrem Vater. Doch er würdigte sie keines Blickes Offensichtlich hätte er noch bezahlt werden müssen. Sie hatte nicht einmal die Chance, den Ball zurückzulegen.

Der Vater hatte ein Handy in der Hand.  Immer noch keinen Blick für sein Kind übrig. Ich konnte noch einen ängstlichen Blick von der Kleinen erhaschen, wahrscheinlich weil sie den Ball noch immer in der Hand hielt…

..und ich konnte nur traurig und Schultern zuckend hinterher schauen, wie „Daddy“ sie willkürlich aus dem Laden zog.

Wie bedattert stand ich da. Wußte nicht, was ich machen sollte. Ich habe die Situation stehen lassen und hoffte inbrünstig, dass der komische Vater seine Tochter nicht durch sein Verhalten, ganz bewusst zum Stehlen animiert hatte. Im Nachhinein habe ich mich geärgert, nichts gesagt zu haben. Diese Situation kam so schnell und unerwartet und dann war sie auch schon wieder vorbei.

Vielleicht hätte der Vater einfach nur sein Handy vom Ohr nehmen sollen. Schade, dass er nicht einfach nur „Bummeln“ mit seiner Tochter war. Ich glaube, dieser kleine Ball hätte ihr eine große Freude bereitet.

Nur ein kleiner Moment mehr Aufmerksamkeit und 1 Euro wären der Einsatz dafür gewesen, ein kleines Kind glücklich zu machen.

Ich bin mir nicht sicher, aber unter diesen Voraussetzungen….hat sie bestimmt weniger Spaß mit diesem kleinen bunten Ball.

Scheiß Handys!

..und ein denkwürdiger Spaziergang…

Das Foto stammt von pixabay/mikuratv

 

5 Comments

  1. Sternenschimmer

    Für mich sind das alles sehr arme Menschen. Sie leben sie in einer anderen Welt.

    Habe es selber erlebt. Ich war eingeladen, der Gastgeber saß mit mir im Garten und die Frau des Hauses war im Haus, .vermutlich in der Küche. Nach einiger Zeit rief sie ihren Angetrauten per Handy ins Haus…..!
    Es erübrigt sich wohl zu sagen – es kam keinerlei Gespräch auf und ich verließ diese ungastliche Stätte ziemlich rasch.

    Gefällt mir

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