Die lustige Kassiererin

Kennt Ihr das, Ihr steht an der Kasse und die Kassiererin scheint an einem einsamen Wettkampf teilzunehmen. Die Ware wird wie im Fluge durch den Scanner gezogen und ich beobachte mich dabei, genauso schnell die Ware einzupacken. Vielleicht bekommst Du noch ein Lächeln von ihr, vielleicht aber auch nicht. Es muss schnell gehen.

Der Job einer Kassiererin ist sicherlich nicht einfach. Böse Zungen behaupten sogar, dass vorgeschrieben wäre, wie lange solch eine „Kunden-Abfertigung“ dauern darf. Wer genauer hinschaut erkennt, dass die meisten Menschen den Kassierern nicht mal einen Blick oder ein Lächeln schenken oder gar mit dem Handy am Ohr telefonieren. Ich stelle mir diesen Job sehr anstrengend vor. Du hast den ganzen Tag mit Menschen zu tun, bekommst aber wenig „Mensch“ zurück.

Darf man sich eigentlich an der Kasse unterhalten? Also da ich ja griechische Wurzeln in mir trage, kann ich Euch nur sagen, dass in meiner Heimat ein kurzes Gespräch an der Kasse völlig selbstverständlich ist. Na gut, die Griechen haben ja generell irgendwie mehr Zeit als wir, bzw. sind entspannter. Aber hier in Deutschland habe ich fast das Gefühl es grenzt an etwas „Verbotenem“.

Diese eine Kassiererin bei „Wulle“ bei mir in der Straße, die finde ich richtig klasse. Leider hab ich so eine klitzekleine Deko- und Kerzenmacke und war mal wieder eine Kleinigkeit besorgen. Die Kassiererin war super gut drauf. Beim ersten Teil, war sie ganz verzückt, nahm den Artikel in ihre Hand bevor sie ihn scannte und meinte ehrlich begeistert. „Hey, das sieht ja total schön aus, wo haben Sie das denn gefunden?“

Die nächste Verzückung kam schon beim nächsten Artikel und so ging es durchweg durch meinen Einkauf. Da ich unendlich viel Zeit hatte, nahm ich die Fragen durchaus sehr ernst und versuchte mich zu erinnern aus welchem Gang ich meine superschönen Sachen ergattert habe.

Hinter mir stand eine Frau und ein Mann. Man konnte förmlich beobachten, wie der Dame hinter mir der Kamm schwoll. Sie bekam hektische Flecken am Hals und sah aus, als würde sie unmittelbar nach der nächsten „Verzückung“,  der Kassiererin an den Hals springen oder gar in die Luft gehen. Da ich an diesem Tag unendlich viel Zeit hat, legte ich nochmal einen oben drauf.

„Haaaach“, entgegnete ich. „Sie machen ihren Job aber aus vollen Herzen, das ist ja so etwas von erfrischend.“ und lächelte der Damen mit den hektischen Flecken am Hals mitten ins Gesicht. Sie blieb ohne Regung. Doch dabei blieb es nicht.

Der Mann hinter der Frau, deren Kamm gerade anschwoll und der genauso belustigt die Situation annahm wie ich,  wurde redselig.

„Ach wisst Ihr, da fällt mir gerade eine schöne Geschichte zu ein“..!

Ich konnte mir ein breites Grinsen und ein leises auflachen nicht verdrücken. „Na, dann mal los“, schoß es aus mir raus. „Ich habe Zeit“…

Der ältere Herr war chic gekleidet. Seiner durchaus sehr sympathischen Ausstrahlung vermochte keiner zu entkommen und so legte er los.

„Es ist schon etliche Jahre her und passierte mir auf dem Arbeitsamt. Ich war zum ersten Mal ohne Arbeit und hatte ziemlichen Respekt vor dieser Situation. Schon beim Eintreten in das alte Gebäude des Arbeitsamtes hoffte ich inbrünstig mich nicht allzusehr durch die Gänge suchend bewegen zu müssen. Doch ich wurde positiv überrascht. Schon am Eingang wurde ich sehr herzlich begrüßt und zwar vom Pförtner.

Zu meinem Erstaunen stand er von seinem Platz hinter der verglasten Wand auf, kam mir entgegen und gab mir zu meinem Erstaunen sogar die Hand. „Guten Morgen der Herr, wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“ fragte er einladend. Ich schilderte kurz mein Anliegen und er wies mich auf die richtige Etage und erklärte mir genau, was ich machen müsse.

Angetan von dieser freundlichen Geste des Pförtners, begab ich mich in das Zimmer meiner Sachbearbeiterin und schilderte voller Begeisterung mein Erlebnis. Jetzt mal ehrlich, habt Ihr schon einmal solch einen Pförtner erlebt? (die Kassiererin und ich schüttelten mit dem Kopf, die Dame war immer noch sichtlich genervt, traute sich aber offensichtlich nicht etwas zu sagen)

Also, ich immer noch begeistert und erzähle dies meiner Sachbearbeiterin. Diese Frau lächelte einfach nur und sagte etwas, was ich nie in meinem Leben vergessen werde:

Es ist egal, was für einen Job sie haben, es ist wichtig, wie sie ihn machen.

Sie ergänzte noch, ja, wir hatten mal einen anderen Pförtner, er war grimmig. Saß nur an seinem Platz und beachtete die Menschen, die hereinkamen gar nicht. Er langweilte sich sehr. Doch dieser Mann an unserer Pforte hat viel zu erzählen und viele kommen zu uns und erzählen von seiner Freundlichkeit. Er hinterlässt hier sehr viele Momente des Lächelns, aber auch des Nachdenkens. Er ist unser Goldschatz!“

Der sympathische Mann, hinter der Frau, deren Kamm bald zu platzen schien, schaute in dem Moment, als er „Goldschatz“ sagte, bewusst und liebevoll schauend in Richtung der lustigen Kassiererin.

Die Kassiererin wurde leicht rot. Sie verstand wohl dieses versteckte Kompliment. Nur die Dame, mit den hochroten hektischem Hals, war leider so voller Hast, dass sie nur erwähnte: „Seid ihr jetzt fertig?“ …..

Die Kassiererin, der alte Herr und ich lächelten nur mitleidig. Ich nahm mein Restgeld entgegen, packte meine Sachen langsam ein und bedankte mich beim dem älteren Herren für diese schöne Geschichte…

..die ich nun wiederum nie vergessen werde und mich freue, heute an Euch weitergeben zu können….in der Hoffnung, dass Ihr sie weitergebt.  ❤

Das Foto hab ich hier gefunden: https://pixabay.com/de/users/richardsdrawings-858383/

 

5 Comments

  1. einhorn25

    Sehr schön.Die Menschen gucken immer auf das große Ganze wenn es darum geht was Frieden oder eine bessere Welt bedeutet.Aber eine bessere Welt beginnt vor der eigenen Haustür.In dem wir öfter mal anderen zulächeln, ein kleines Kompliment machen oder einfach zuhören.Mir gefällt die Geschichte.Danke🦄

    Gefällt 1 Person

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