wie die Lemminge

 

Relativ regelmäßig tausche ich mich mit der digitalen Nomadin Tina Ellen die ihr auf Instagram unter Jetlagrebels findet, aus. Wir kennen uns nunmehr schon fast ein Jahrzehnt und seit vielen Jahren unterstützt sie mein Magazin CLIQUE mit Berichten. Früher war sie oftmals auf den schillerndsten Events und brachte Interessantes vom roten Teppich mit, heute ist sie in aller Welt unterwegs und bringt ihre Eindrücke bei uns zu Papier oder schreibt online. Ich beneide sie um diese Reisen.

Wir nutzen manches Mal morgens die Zeit und texten uns per Sprachnachrichten zu.

Dabei fällt mir ein, „Tina, wenn Du den Sprachnachrichten-Button mit dem Finger nach oben schiebst, ist das so wie bei einer Feststelltaste, dann rutschtste nicht mehr ab :-)“

Diese Nachrichten, sind so etwas wie meine Frühstücks-Guten-Morgen-Hupferl. Es geht meist, neben technischen Dingen unserer Blogs – um die Dinge des Lebens. Ich empfinde dies als unheimliche Bereicherung meines Alltags. Ich führe mit niemanden so regelmäßig, wie mit Tina, diese tiefsinnigen und sehr inspirierenden Gespräche.

Heute haben wir das Thema „Handy“. Gefühlt, würde ich sagen, haben wir beide den Eindruck, dass wir uns mit Freunden früher viel mehr „real“ ausgetauscht haben, als heute. Liegt es am Alter oder die Digitalisierung? Kennt von Euch überhaupt noch jemand die stundenlangen Telefonate mit einer Freundin bis das Telefon und das Ohr heiß wurden?

Heute schicken wir uns Sprachnachrichten und wir finden das beide so ziemlich komisch. Aber irgendwie auch absolut praktisch. Doch zwischendurch sagen wir immer „jetzt mal wirklich sprechen“.

Natürlich genießen wir hier auch die Vorteile des kostenlosen Telefonierens über whatsapp. Doch wir sind auch sehr oft im Sprachnachrichten-Modus. So wie heute – einmal wieder.

Wir fragen uns beide: Macht das die Jugend von heute überhaupt noch, telefonieren? Wir wissen es nicht! Wir schwelgen beide in Erinnerungen…! Ich kann mich noch erinnern, dass ich einen ganzen Tag, ach was rede ich, ein ganzes Wochenende,  mit „Quatschen“ am Telefon verbringen konnte. Doch der Fokus früher lag eher auf das gemeinsame Ausgehen oder Treffen. Wie genau haben wir das gemacht, dass wir uns „gefunden“ haben?

Hach, das waren herrliche Zeiten – finden wir beide.

Was ist nur mit den Menschen los, fragen wir uns? Egal ob jung oder alt. Das Handy ist nicht mehr wegzudenken. Wie eine schlimme Krankheit, gar wie ein Virus hat es uns befallen.

Dieser senkende Blick in ein kleines technisches Gerät hat es sogar so weit geschafft, dass Bodenampeln konstruiert werden.

Auf der Tanzfläche hat das Handy schon VIP-Status, schließlich muss ein Life-Foto her. Ach zack, und kurz noch versenden! Die Königsdisziplin ist unser Essen zu fotografieren. Bloß nicht vorher anfangen zu essen. Erst muss ein Foto her. Ja, manch einer bekommt glatt Schnappanfälle, wenn er dieses kleine Ding zu Hause hat liegen lassen. Gar nicht auszudenken, wenn der Akku versagt, bevor ich zu Hause ankomme! In der U-Bahn schaut keiner mehr auf. Alle richten den Blick ins Handy. Wenn man das bewußt aufnimmt und beobachtet, kann es einem schon ganz schön gruseln.

Keiner ist mehr da – wo er gerade ist. Alle sind weg – abgetaucht in die virtuelle Welt. 

Kommuniziert wird nur noch über whatsapp, Facebook, Instagram, Messenger. Man könnte Bücher füllen über so viele Missverständnisse aufgrund dieser Form von Kommunikation. Eine Freundin von mir besucht regelmäßig Datingplattformen und erzählt mir so lustige aber auch bekloppte Geschichten, von denen ich denke, sie wären mittlerweile ein eigenes Buch wert.

Wie ist es dazu gekommen, dass die meisten Menschen nicht mehr ohne leben können?

Tina meinte bildhaft: „Ich verstehe die Menschen nicht, sie sind wie die Lemminge. Einer macht was vor, alle ziehen nach. Heute gehörst du schon zu den komischen Menschen, wenn Du Dein Handy auf lautlos stellst.

„Tina“, wende ich ein. „Lemminge wandern aus, um neue Lebensräume zu erschaffen, dabei kann schon einmal das eine oder andere übersehen werden. Wie z.B. Klippen, die sich dann als Todesfalle herausstellen. Man sagt ja, dass die Lemminge den Höhenunterschied nicht gleich erkennen können, dadurch kommt es zu diesem merkwürdigem „Denken“, dass sie sich dem Massensterben verschrieben hätten.

Tina: „Du meinst, sie folgen blind dem Vorgänger, weil sie sich vertrauen?

Ich: „Ja, so kann man es sehen.“

Tina: „Also überall Blindfische“

….wir müssen beide lachen und beschließen beide, sich am besten selbst zu vertrauen.

Tina: Ich mach mein Handy jetzt aus, hab noch schöne Dinge vor!

Ich: ja, schick mir Fotos 🙂

Wir müssen wieder beide lachen!

Wir wissen, wir sind auch irgendwie infiziert. 

Wir verabschieden uns,  und ….machen beide das Handy aus …wenigstens für eine Weile – und das mitten am Tag. Heute nehmen wir uns ganz dolle vor, nicht Mainstream zu sein.

Handy aus. Ruhe!

Welch herrliches entspanntes Gefühl. Versuch es doch auch einmal? Wirst sehen, es passiert…

nichts…..

und irgendwie dann doch, eine ganze Menge.

Ich höre es piepen, obwohl es aus ist. Erwische mich dabei, es in die Hand nehmen zu wollen – rein aus Gewohnheit und nach einer Weile erst…..

…verschwindet dieser innere „Wartemodus…Es ist still.

Ruhe.

Ich kann mich auf mich konzentrieren und das, was ich gerade tue. Ohne Ablenkung. Was für ein schönes Gefühl. Herrlich.

Tina, genießt gerade wahrscheinlich den Strand in Langkawi auf der Insel Malaysia. Ich denke kurz an sie und weiß, morgen früh, kann ich sie fragen. „Wie war Dein Tag?“

..und bin dann doch froh, dass es diese kleinen technischen Dinge gibt, die die Welt ein Stückchen kleiner machen und trotz Entfernung näher rücken lassen.

 

Trau dich, mach´s mal aus. Und sei für einen kleinen Moment – nicht, wie die Lemminge. ❤

 

Das Foto stammt von pixabay

Hier könnt Ihr lesen, wie Tina zur digitalen Nomadin wurde!

 

2 Comments

  1. Sternenschimmer

    Mein Handy ist sehr oft aus, denn ich möchte nicht ewig erreichbar sein und mache mich auch nicht zum Sklaven der Technik. Vergeblich versuchte ich es meinen Bekannten zu erklären.
    Allerdings stößt mein Verhalten bei ihnen auf Unverständnis.

    Gruß Lilo

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